Es war eine gute Fügung, dass die Volkshochschule Badische Bergstraße, Weinheim, 1972 Weinseminare in ihr Programm aufnahm. In den Weinseminaren hatte sich gezeigt, wie groß das Interesse an Wissen um den Wein ist. Über mangelnden Besuch konnte sich Seminarleiter Ernst-August Schulz nicht beklagen.

Da aus den Reihen der Seminarteilnehmer der Vorschlag kam, über die Weinseminare hinaus Zusammenkünfte zu verabreden, trafen sich am 2. Oktober 1973 im historischen Kerwehaus 33 Seminarteilnehmer und Interessierte in der festen Absicht, einen "Weinverein" zu gründen. Eine strenge Weinbruderschaft sollte es jedoch nicht werden. Eine eher gesellige Vereinigung war geplant, in deren Rahmen in Vorträgen, Lichtbildern, Filmen und Exkursionen das Wissen um den Wein vermittelt wird.

Das Ziel war: weg vom Weinkonsum, hin zum gepflegten Weingenuss. Weinproben und geselliges Beisammensein sollten einmal im Monat die Weinliebhaber zusammenbringen, um ihnen den Weinbau und alles, was damit zusammenhängt, fachlich nahezubringen. Aus diesem Gedanken heraus wurde die "Weinheimer Weingilde" gegründet.

Um der Weingilde ein rechtliches Fundament zu schaffen, wurde im August 1991 während einer abendlichen Neckarfahrt beschlossen, eine Satzung zu erstellen und die Weingilde ins Vereinsregister eintragen zu lassen.

Damit stand die Gemeinschaft der Weinfreunde nun auf einer rechtlichen Grundlage, und Weinheims Vereinslandschaft wurde um einen guten, in 17 Jahren bewährten Namen reicher:

"Weinheimer Weingilde e. V."

Im Oktober 1998 wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert.

Nicht zuletzt die ehemalige Deutsche Weinkönigin Julia Klöckner bescheinigte der Weingilde, dass sie es in den letzten 25 Jahren verstanden hat, dem Wein Sinn und Inhalt zu geben.

Im Oktober 2003 wurde das 30-jährige Bestehen der Weingilde im Rahmen einer festlichen Weinprobe gefeiert.

Hermann Cetto zum 90. Geburtstag

Am 5. August 2010 feierte Hermann Cetto seinen 90 Geburtstag. Es gibt wohl niemanden in Weinheim, der sich für Wein interessiert und dann diesen Namen nicht kennt. Schließlich hat dieser große Weinfreund nicht nur von 1980 bis 1998 die Weinheimer Weingilde geleitet, der er seit ihrer Gründung 1973 – und heute noch – angehört, sondern er hat viele Jahre lang auch in Weinseminaren der Volkshochschule Badische Bergstraße sein Weinwissen an Wein-„Neulinge“ weitergegeben und zudem viele Weinproben in der näheren und ferneren Umgebung moderiert. Zu seinen Schülern bei der Volkshochschule zählen viele derzeitige Mitglieder der Weingilde, darunter auch ihr jetziger Vorsitzende, Dr. Siegfried Weber, der als Oberbayer 1986 ohne Weinwissen nach Weinheim kam und schon 1987 dank eines Seminars von Hermann Cetto das Genussmittel Wein für sich entdeckt hat.

 Das Leben des Jubilars gäbe Stoff für einen ganzen Roman, darum hier nur stichwortartig einige wesentliche Stationen: Geboren wurde er in Karlsruhe, im Schwarzwald absolvierte er eine Konditorenlehre, und 1939 wurde er deutscher Staatsbürger. Als solcher durfte er gleich seine neue Heimat mit der Waffe verteidigen, und nach dem Krieg verschlug es ihn zunächst für einige Jahre in ein Gefangenlager in den USA. Dort gewann er mit deutscher Küche die Herzen der Wärter und entdeckte so eines seiner lebenslangen Hobbies – das Kochen und Backen.

Wieder zurück in Deutschland wurde bei einer von Cetto moderierten Unterhaltungsveranstaltung des Konditorenvereins Karlsruhe ein als Gast anwesende Direktor der Margarine-Union auf ihn aufmerksam und verpflichtete ihn von Fleck weg. Damit war Cettos beruflicher Lebensweg für die nächsten 30 Jahre vorgezeichnet: Als Konditoren-Fachberater und Verkaufsgruppenleiter kam er viel in Deutschland herum und lernte so auch seine Frau Helga, mit der er zwei Kinder hat und die leider bereits 2003 starb, in Dillingen an der Donau kennen.

Nach vielen Jahren in der Hildastraße in Weinheim war er mit seiner Frau zu seinem Sohn nach Mückenloch gezogen, doch bald nach ihrem Tod zog es ihn nach Weinheim zurück, und inzwischen genießt er seine Tage in der Seniorenresidenz am Schlosspark.

Nicht vergessen werden sollen zwei weitere Hobbies von Hermann Cetto: der Sport und die Stammbaumforschung. Sei es das Boxen in jungen Jahren, später das Tischtennisspielen und schließlich das Boule-Spiel, immer war er mit vollem Einsatz bei der Sache, und er machte es sich zu seinem Anliegen, die Vergangenheit der Cetto-Sippe aufzuhellen, deren erste urkundliche Erwähnung er auf das Jahr 1476 datieren konnte und die es inzwischen auf 80 Familien gebracht hat. Dabei entdeckte er auch ein von einer Linie der Cettos betriebenes Weingut in Mexiko – man sieht also, die Freude am Wein liegt auch in den Genen der Cetto-Familie begründet.

Vereinsgeschichte