Die Weinheimer Weingilde erlebte eine harmonische Mitgliederversammlung

Jens Zepp hatte für die Mitgliederversammlung eine ungewöhnliche Weinprobe zusammengestellt: sechs Weine von sechs verschiedenen Winzern aus Slowenien, das nicht vorrangig als Weinland bekannt ist. Doch wie ein Blick auf die mitgebrachte Karte zeigte, liegen zwei der drei Anbaugebiete ganz nahe an bekannten Weinregionen von Nachbarländern: Primorska nahe dem italienischen Friaul und Podravje gleich neben der Südsteiermark. So gibt es einige Winzer in der Südsteiermark, die auch Weinberge in Podravje besitzen, in dem schon vor 2400 Jahren Kelten Wein angebaut hatten.

Die slowenischen Weinanbaugebiete
© Agne 27 unter CC BY-SA 3.0.

Doch bevor hier an die verkosteten Weine erinnert werden wird, seien die wichtigsten Punkte aus der Mitgliederversammlung zusammengefasst:

Obergildemeister Siegfried Weber begrüßte drei neue Mitglieder, blickte kurz auf das vergangene Jahr zurück, in dem glücklicherweise wieder weitgehend normale Treffen möglich waren, stellte den Weinbestand im Gildekeller vor und ging auf die Rückmeldungen auf eine Mitgliederbefragung im letzten Herbst ein.

Gildemeister Jens Zepp berichtete über die Ein- und Ausgaben des Jahres 2022, nach denen der Verein finanziell gesund ist und Rücklagen bilden konnte, die teilweise für die Feier des fünfzigjährigen Bestehens im Herbst eingesetzt werden sollen. Die beiden Kassenprüferinnen bestätigten eine einwandfreie Buchführung und baten um Entlastung des Kassenwarts.

Gildemeisterin Silke Magel beschrieb ihre Tätigkeit als Schriftführerin im vergangenen Jahr. Anschließend wurde der gesamte Vorstand entlastet.

Dann folgte die Neuwahl des Vorstands. Da sich keine weiteren Kandidaten gemeldet hatten und alle drei Vorstandsmitglieder bereit waren weiterzumachen, war die Wahl rasch durchgeführt.

Ein Punkt stand schließlich noch zur Diskussion und Abstimmung: Ob der Verein eine kostenlose passive Mitgliedschaft einführen solle. Hier war die einstimmige Antwort nein.

Und nun zu den Weinen, die parallel verkostet wurden: Der Wein, der den Abend eröffnete, eine Cuvée aus Grauburgunder, Chardonnay, Kerner und Welschriesling, war ein weißer Messwein aus dem einzigen noch aktiven Kloster Sloweniens, das im Gebiet Posavje liegt. Er war trotz seiner 13,5 Vol.-% Alkohol sehr fruchtig und erinnerte an eine trockene Scheurebe. Der zweite Wein, wieder eine Cuvée, kam dann von einem ehemaligen Benediktinerkloster im Österreich-nahen Podravje und überraschte durch seine erstaunliche Frische.

Die folgenden vier Weine waren alle aus dem zweigeteilten Anbaugebiet Primorska (der Name bedeutet „am Meer“), und sie waren reinsortig: Malvasia, Pinela, Rebula und Grüner Sauvignon. Der Malvasia stammte vom größten slowenischen Weingut, das etwa 500 Hektar bewirtschaftet, hatte eine kurze Maischegärung und einen Ausbau in Eichenholzfässern durchlaufen und war dezent in der Aromatik.

Die Pinela-Sorte wurde 1324 erstmals erwähnt und ist heute nur noch im oberen Vipava-Tal zu finden. Das Weingut gibt es seit fünf Generationen, doch in den 1950er Jahren wurden unter Tito die Betriebe verstaatlicht, so dass der Neuanfang in Familienhand erst 2014 gelang – mit einem „modernen“ Namen: Fedora Wines. Der Naturwein erwies sich als etwas gewöhnungsbedürftig, doch längere Zeit im Glas tat ihm sehr gut.

Auch der Erzeuger des Rebula-Weins gehört zu den Betrieben, die die Verstaatlichungsphase überstehen mussten. Er zählt heute zu den besten Weingütern Sloweniens und erntet seine Trauben der beliebtesten Rebsorte des Anbaugebiets von 25-35 Jahre alten Rebstöcken.

Der abschließende Grüne Sauvignon stammte von dem Weingut, das als Einziges nicht verstaatlicht worden war – es gab wohl einen besonderen Draht zu Tito – und das zu Titos Zeit der offizielle Weinlieferant für Staatsbankette war. Es besitzt 22 Hektar Rebfläche, darunter 8 Hektar in Italien, und baut seine Weine im Barrique, als Natur- und als Orange-Weine aus. Der verkostete Wein firmierte unter Orange-Wein, gehörte da aber eindeutig zu den mit Weinwissen hergestellten. Zum Namen der Rebsorte erzählte Jens Zepp, dass sie früher im Friaul Tocai Friulano genannt wurde, bis sich Ungarn deshalb beschwerte, weil dort der Name Tokajer für eine andere Rebsorte und einen ganz anders ausgebauten Wein steht.

Mit einem Hinweis auf das Apriltreffen, bei dem das Weingut Amthor aus Heppenheim zu Gast sein wird, endete der Abend.

Verkostete Weine

2021Messwein weiß – Mašno vino
Kloster Pleterje
2019Benedict White
Dveri Pax
2020Capris Malvazija
Vinakoper
2020Pinela
Fedora Wines
2021Rebula
Edi Simcic
2021Gredic
Movia