Jakob Julier, ein junger Vertreter der südpfälzischen Winzer, stellte eine Auswahl seiner Weine vor

Beim Maitreffen der Weinheimer Weingilde war Jakob Julier („JJ“= „DscheyDschey“), ein engagierter junger Bio-Winzer aus Eschbach in der Südpfalz unweit von Landau, zu Gast. Zusammen mit seiner Schwester ist er in das elterliche Weingut Schmitzer-Julier eingestiegen. Hier sind sie dabei, neben den klassischen Weinen des Weinguts eigene Weinlinien zu etablieren, wobei beide auf den biologischen Weinbau setzen. Aktuell sind sie auf dem Weg zur Biodynamie.

Zum Einstieg gab es einen Wein aus der klassischen Linie des Weinguts, einen Grauburgunder. Aber auch bei diesem merkte man schon, dass JJ keine belanglosen, austauschbaren Weine, sondern Weine mit Charakter machen möchte. Beim zweiten Wein mussten die Gildemitglieder einen geschmacklich großen Sprung machen: Tripple B, ein Wein aus der Weinlinie von JJ, ist ein sehr eigenständig ausgebauter Weißburgunder. Die drei B stehen für Burgunder, Barrique und Bâtonnage, und dies Art des Ausbaus hat den Geschmack des Weines geprägt. Er wird noch einige Zeit brauchen, um sein volles Potenzial zu entfalten.

Mit diesem Wein hatte JJ auch versucht, sein eigenes Etikettendesign zu etablieren. Dieses Etikett zeigt ihn als Winzer mit einem Fass als Bauch und Reben, die aus seinem Armen wachsen. Das Etikett ist weiterentwickelt worden, da nicht für alle Kunden gleich erkennbar war, was das Etikett ausdrücken wollte: Lebendigkeit, Leidenschaft und Verwurzelung mit dem Boden. Deswegen werden die Etiketten wieder etwas klassischer.

Nach zwei sehr schönen Rieslingen aus der klassischen Linie wurde mit dem Rosé Outbreaker, wieder aus der DscheyDschey-Linie, zu den Rotweinen übergeleitet. Wie beim Tripple B hat JJ auch hier einen eigenwilligen, kräftigen Wein auf die Flasche gebracht.

Der erste Rotwein war die Cuvée Ludwig, der für den Großvaters kreiert wurde, und zwar zu seinem 70. Geburtstag. In dieser Cuvée sind alle Rotweinsorten des Weinguts vereint worden, darunter auch der Dornfelder, der inzwischen in der Pfalz selten geworden ist.

Für viele neu dürften die Informationen von JJ über die Tätigkeit seiner Schwester gewesen sein: Sie arbeitet für eine italienische Firma, die eine Methode für den sanften Rebschnitt entwickelt hat. Dabei wird versucht, beim Rebschnitt die Saftbahnen der Reben nicht zu beschädigen und so das Alter der Reben deutlich zu verlängern. Im konventionellen Weinbau werden die Weinberge nach 25 bis 30 Jahren erneuert. Dank des sanften Rebschnitts sollen die Reben bei guter Gesundheit deutlich über 50 Jahre alt werden können. Das ist aus mindestens zwei Gründen wünschenswert, denn alte Reben können wegen ihres großen Wurzelwerks deutlich besser mit Trockenperioden umgehen als junge Reben und die Neuanlage von einem Hektar Weinberg kostet inzwischen rund 60000 €. JJs Schwester hat in Deutschland und Österreich schon vielen berühmten Weingütern die neue Methode nahegebracht.

Den Abschluss des Abends bildete ein Wein aus der DscheyDschey-Linie, ein PortuGeezer. Wie der Name schon sagt, ist er aus Portugieser-Trauben gekeltert. Doch er hat mit den einfachen, hellroten Portugieser-Weinen, wie sie früher üblich waren, nichts gemein, vielmehr war es ein gehaltvoller Rotwein und damit ein würdiger Abschluss einer tollen Probe. Mit einem herzlichen Dank wurde Jakob Julier verabschiedet.

Hier geht’s zur Homepage des Weinguts.

Verkostete Weine

2022Grauburgunder trocken
Göcklingen
2020Tripple B
Weißburgunder trocken
2022Riesling, trocken
Eschbach
2023Riesling, ALTE REBE
Eschbacher Hasen
2023Outbreaker Rosé
trocken
2022Cuveé Ludwig
Rotwein, trocken
2020PortuGeezer
Rotwein, trocken