Sieben trockene Weißweine aus dem wohl bekanntesten Weinbauort der Pfalz illustrierten die Vielfalt von dessen Böden und die Arbeitsweise einer der kleinsten Winzergenossenschaften der Pfalz, deren 25 anliefernde Mitgliedsbetriebe etwa 150 Hektar bewirtschaften, eine Fläche, auf die auch manche Weingüter kommen.
Christoph Lutz, 42 Jahre jung und seit September 2024 erster Kellermeister des Winzervereins, gab zunächst ein paar Informationen zu seinem Arbeitgeber:
- Den Winzerverein gibt es seit 1918.
- Seit 1998 bewirtschaften seine Mitglieder zusätzlich die Weinberge des ehemaligen VDP-Weinguts Moosbacherhof, und man vermarktet die besten Lagen davon unter der Linie „Selektion Moosbacherhof“, für die das vollreife Lesegut per Hand gelesen wird.
- 2006 wurde das ehemalige Weingut Dr. Pioth erworben und damit der Bestand an Spitzenlagen um 12 Hektar erhöht.
- Der Verkauf läuft zu etwa 45% ab Hof, der Rest verteilt sich auf Gastronomie, Weinfachhandel und Online-Shop; kaum Export und Lebensmitteleinzelhandel.
- Mit 73% der Anbaufläche dominiert der Riesling.
- Die Erntemenge ist – naheliegenderweise – sehr durch das Wetter beeinflusst, was sich beispielsweise beim Vergleich von 2024 mit 2025 zeigt: 2024 wurden 2,1 Millionen Kilogramm Trauben gelesen, 2025 waren es nur 1,3 Millionen Kilogramm.
- Dass die maschinelle Lese zunimmt, erklärte Lutz zum einen mit der enormen Verbesserung der Lesemaschinen, mit denen der Fahrer bei geschickter Handhabung die Trauben wirklich vollkommen unbeschädigt ernten kann, zum anderen mit dem enormen Kostenunterschied: Die Handlese ist nach seiner Aussage 2000 € pro Hektar teurer als die maschinelle Lese.
Eröffnet wurde der Abend mit einem Sauvignon Blanc von 2025. Für diesen Wein wurden die Trauben zwischen 2 und 4 Uhr morgens gelesen, dann mit Trockeneis bedeckt, um den Zutritt von Luftsauerstoff zu verhindern, nach 24 Stunden Standzeit abgepresst und bei 18°C im Edelstahl vergoren. Das Ziel ist hier ein trinkfreudiger, unkomplizierter Wein, dessen erste Abfüllung inzwischen ausverkauft ist.
Der nächste Wein, ein Weißburgunder, stammte aus der Linie „Selektion Moosbacherhof“. 30% des Mosts waren im Edelstahl und 70% in Tonneau-Fässern vergoren worden. Bei Burgunderweinen liegt Christoph Lutz daran, dass sie nicht zu säurebetont sind, wozu auch der Ausbau beiträgt.
Die anschließende Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay repräsentierte die Linie Réserve, bei der die Weine komplett in Tonneau-Fässern ausgebaut und mindestes sechs Monate auf der Vollhefe liegen. Zur Entstehung dieser Cuvée erzählte Lutz, dass er 2024 den Chardonnay nicht wie 2023 in der Réserve-Linie abfüllen wollte. Darum cuvetierte er ihn im Verhältnis 1:3 mit einem Weißburgunder, und das Ergebnis überzeugte nicht nur ihn, sondern auch die Kunden. Empfohlen wird dieser Wein vor allem als Essensbegleiter.
Die Lage Forster Ungeheuer, von der der vierte Wein stammte, wurde in der königlich-bayrischen Bodenbewertung von 1828 in eine der höchsten Bonitätsklassen Deutschlands eingestuft.
Die Luftlinie zwischen der Lage Ungeheuer und der Lage Musenhang, von der der nächste Riesling kam, beträgt nur 500 Meter. Dennoch unterschieden sich die Weine deutlich. Der Musenhang liegt höher als das Ungeheuer, was ein späteres Reifen zur Folge hat, der Wein gehörte zur „Selektion Moosbacherhof“, wurde also aufwendiger ausgebaut. Von ihm wurden 2000 Flaschen gefüllt, vom Vorgängerwein waren es dagegen 15000 Flaschen.
Noch kürzer ist die Luftlinie, nämlich 100 Meter, zwischen der Lage Ungeheuer und der Lage Pechstein, von der die letzten beiden Weine kamen. Doch der Pechsteinboden mit Basalteinschlüssen macht die Weine mineralischer und komplexer, was sowohl der einfache Trinkwein als auch die Réserve-Variante belegten. Mit einem großen Dank an Christoph Lutz endete ein sehr erfolgreicher erster Weingildeabend 2026.
Hier geht’s zur Homepage des Winzervereins.
Verkostete Weine
Die Liste folgt in Kürze.