2015 erst startete David Klenert zusammen mit seiner Frau das eigene Weingut in Münzesheim mit einer Rebfläche von 2,3 Hektar. Er hatte zwar früh Kontakt zum Weinbau, denn sein Opa mütterlicherseits erzeugte Weintrauben, aber nur fürs Abliefern an eine Winzergenossenschaft. Für David Klenert stand dennoch bald fest, dass er Winzer werden wolle, und zwar ein „richtiger“, der alle Schritte bis zum verkaufsfertigen Produkt selbst geht. Er entschied sich für das duale Weinbaustudium, das in Neustadt angeboten wird, und hatte als Ausbildungsbetrieb das Weingut Darting in Bad Dürkheim. – Dieses Weingut hatte sich im Februar 2013 in Weinheim vorgestellt.
Obwohl ihm bei Beratungsgesprächen von diesem Schritt abgeraten wurde, erwies sich seine Entscheidung im Nachhinein als richtig. Heute bewirtschaftet der Betrieb 28 Hektar, unter denen viele alte, gute Lagen sind, die frei wurden, weil Betriebe keine Nachfolger fanden und sie deshalb verkauften. Die ersten Jahre stellte Klenert seine Weine persönlich in Hotels und Gastronomiebetrieben vor, die so mit 65% zu den Hauptabnehmern wurden. Doch dann kam Corona. Um zu überleben, bot er als erstes Weingut in Baden-Württemberg und als viertes Weingut in Deutschland Online-Weinproben an – die größte Probe war für eine Firma mit 600 Mitarbeitern. Sie verschickten jeweils sechs Flaschen Wein an jeden Teilnehmer, und David Klenert stellte dann in einem YouTube-Kanal die Weine vor. Dieses Angebot endete nicht mit der Corona-Pandemie, ist aber jetzt auf ein paar Termine im Winter begrenzt (https://klenert-wein.de/produkt/online-weinprobe/).
Die Online-Veranstaltungen machten seine Weine weit über die Grenzen des Kraichgaus, ja Deutschlands hinaus bekannt, so dass sein Absatz heute nur noch zu 15% in die Gastronomie geht und viel von Kunden, die bei ihm vor Ort einkaufen, sowie vom Getränkefachhandel abgenommen wird, denn die Online-Kunden, die weiter weg wohnen, wollten Klenert-Weine bei sich in der Nähe kaufen, was eine große Nachfrage im Getränke- und im Weinfachhandel auslöste.
Als Grundsätze seiner Arbeit nannte er:
- Er steht für schlanke Weine.
- Die vier Weine aus Trauben der Burgunderfamilie – Auxerrois, Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay – sollen sich deutlich in ihren Merkmalen unterscheiden.
- Sie nutzen sowohl Hand- als auch Vollernterlese und verzichten nie auf eine Vorlese per Hand, um wirklich gesundes Lesegut zu bekommen. Bei ihren höherwertigen Weinen dominiert in jedem Fall die Handlese.
- Wein als Genussmittel sollte möglichst nachhaltig produziert werden, weshalb er mit Wildhefen arbeitet, die er aus dem Vorsaft anreichert und die darunter erfolgreichste dann für den Most verwendet. Das Arbeiten mit Wildhefen hat nach seinen Worten zur Folge, dass die Weine selten durchgären, weshalb seine trockenen Weine meist zwischen 4 und 6 Gramm Restzucker pro Liter enthalten. Zudem setzt er auf einer kleinen Testfläche Schafe als „Mähmaschinen“ und Düngerlieferanten ein. Hier bot er auch einen kleinen Einblick in die „Logik“ gewisser Zertifizierungsregeln: Da es nahezu unmöglich ist, Schafe biozertifiziert zu halten, das aber Voraussetzung dafür ist, dass ihr Einsatz das Biozertifikat des Weins nicht verhindert, hat er auf diese Zertifizierung verzichten müssen.
- Er teilt die Weine in zwei Stufen ein, die sich an der Etikettenfarbe leicht unterscheiden lassen: braun für die Gutsweine und schwarz (Black Label) für die Lagenweine, bei denen eine Ertragsreduktion auf 60-70 statt 100-110 Kilogramm pro Ar vorgenommen wird, die in Tonneau-Fässern vergären und reifen und denen er ein Lagerpotential von fünf Jahren und mehr gibt. Als Neugründung musste er mit keiner Tradition brechen, als er sich von Anfang an für den Schraubverschluss entschied, denn „wer will sich schon die Arbeit eines ganzen Jahres von einem unsauberen Korken kaputt machen lassen“. Nur der Sekt, den es bei ihnen auch gibt, wird natürlich mit einem Korken verschlossen.
Die vorgestellten Weine sorgten – unterstützt durch die hochinteressante und mit amüsanten Vergleichen aufgelockerte Präsentation – für einen ausgesprochen gelungenen Abend. Verkostet wurden als Weißweine ein Auxerrois, der im Kraichgau mit seinen sandigen Löss-Lehm-Böden besonders gut gedeiht und dort auch als der Begleiter zum Spargel gilt, ein Grauburgunder, der bei Klenert die zweitwichtigste Weißweinsorte ist, ein Weißburgunder, der ein guter Riesling-Ersatz für Weinfreunde ist, die säureärmere Weine vorziehen, sowie ein Weißburgunder und ein Grauburgunder aus der Black-Label-Reihe. Bei diesem Typ von Grauburgunder hatte das Weingut manchmal Schwierigkeiten, eine AP-Nummer zu bekommen, da er durch seine Standzeit und den Holzfassausbau in manchen Jahren zu dunkel, sprich kupferfarben erhalten wird. Abgeschlossen wurde der Abend mit einer Rosé-Cuvée aus Spätburgunder und Lemberger, deren recht dunkle Farbe einer langen Standzeit auf der Maische zu verdanken ist, und einem Lemberger von 2022, einem schönen Beispiel dafür, dass man aus dieser Rebsorte nicht nur einen langweiligen roten Wein, sondern auch einen kräftigen, charaktervollen Rotwein machen kann. Dafür sind Ertragsreduktion (60 statt bis zu 220 Liter pro Ar), lange Maischestandzeit, Gärung im Holzfass und 1½ bis 2 Jahre Lagerung im Holz essenziell. Mit großem Applaus wurde David Klenert nach diesem unterhaltsamen und genussreichen Abend verabschiedet.
Hier geht’s zur Homepage des Weinguts.
Verkostete Weine
| 2024 | Auxerrois trocken |
| 2024 | Grauburgunder trocken |
| 2024 | Weißburgunder trocken |
| 2023 | Black Label Weißburgunder trocken |
| 2023 | Black Label Grauburgunder trocken |
| 2024 | Rosé |
| 2022 | Lemberger trocken |