Das Weingut Engel aus Flörsheim-Dalheim stellte sich bei der Weingilde vor

Der Weinsalon Weinheim erwies sich für die Weingilde zum wiederholten Mal als gute Möglichkeit, Kontakte zu Weingütern zu knüpfen, und so kam es im März zum Besuch des rheinhessischen Weinguts Engel, das dem Weinsalon seit seinem Bestehen als Aussteller die Treue hält.

Ulrike Wechsler-Engel kam, gerade von einer starken Erkältung genesen, mit ihrem Mann, um anhand von sieben Weinen einen Überblick über ihr Weinsortiment zu geben. Dabei fehlte ein Bereich, in dem das Weingut auch sehr erfolgreich unterwegs ist – die feinherben, lieblichen und edelsüßen Weine –, denn diese Weinrichtung stößt nur bei einem sehr kleinen Teil der Vereinsmitglieder auf größeres Interesse.

Der landwirtschaftliche Betrieb befindet sich seit 1673 in Familienhand, doch wie bei nahezu allen Weinerzeugern war er bis in die 1970er Jahre ein Gemischtbetrieb. Erst dann kam die Diversifizierung in Winzer und Bauern, und erst vor etwa 35 Jahren stellte das Weingut Engel von der Fassweinerzeugung auf die unabhängige Vermarktung seiner Weine um. Von den rund 630 Hektar um Flörsheim-Dalsheim bewirtschaftet es heute 22 Hektar und kann das weitgehend ohne angestellte Helfer bewerkstelligen. Der Sprung von 12 auf 22 Hektar passierte erst vor wenigen Jahren, als ein Fassweinwinzer, der rund 300 Hektar in Pacht betrieben hatte, insolvent wurde. Die Entscheidung für diese Vergrößerung fiel nicht ganz leicht.

Die Probe begann mit einem sehr gefälligen, weichen und fruchtigen Grauburgunder, dessen Farbe deutlich ins Rosé ging. Das liegt an der Maischestandzeit, die sie dem Most gönnen, damit der Farbstoff aus den recht farbigen Schalen der reifen Beeren extrahiert wird. Zudem geben sie dem Wein mehr Charakter mit, indem sie ⅔ des Saftes in alten Barrique-Fässern vergären und nur ⅓ im Edelstahl. Bei diesem – ihrem meistverkauften – Wein gelingt es kaum, das Ziel ihres Sohnes, Weine länger im Fass zu lassen, zu erreichen, denn die Kunden können es kaum erwarten, den jeweils aktuellen Jahrgang zu kaufen.

Es folgte ein durch Saftabzug gewonnener Rosé aus der Blaufränkisch-Traube – in Deutschland als Lemberger bekannt –, der Lieblings-Rotweinrebsorte des Sohnes. Diese Rebsorte liebt eher sandige Standorte und wurde bei den Engels 2018 neu gepflanzt. Anschließend wurde an zwei 2020er Rieslingen der Einfluss des Bodens auf den Wein demonstriert: Obwohl der Wein aus Nieder-Flörsheim und der aus Dalsheim sich in den Zucker-, Säure- und Alkoholwerten und auch im Ausbau kaum unterschieden, hatte der erste gelbfruchtige Aromen und der zweite war mineralischer und wies Zitrustöne auf.

Das Steckenpferd des Sohnes bei den Weißweinen ist der Chardonnay, und so gab es nun zwei solche Weine aus dem Jahr 2022 – aus den Lagen Bürgel und Sauloch. 1998 wurden Bodenprofile der Lagen erstellt, und dabei kam heraus, dass sich in der Lage Sauloch eine Tonsperrschicht befindet, die das Einsickern des Wassers sehr erschwert. Darum ist der Boden hier deutlich feuchter als in der Lage Bürgel, was auch den Lagennamen erklärt: Den Bereich nutzten früher Wildschweine zum Suhlen. Das Ergebnis: Der Bürgel-Wein ist der opulentere, der Sauloch-Wein der filigranere.

Abgeschlossen wurde der Abend mit einem Viognier von 2023, einer ursprünglich französischen Sorte, die dort von der Reblaus fast ausgerottet worden wäre, und deren Anbau in Deutschland lange nicht erlaubt war. Mit einem Blumenstrauß und großem Applaus wurde das Ehepaar Engel nach einem wie im Flug vergangenen Treffen verabschiedet.

Ulrike Wechsler-Engel (mit Blumenstrauß) und Udo Engel (2. von rechts) eingerahmt von den zuverlässigen Helferinnen Mareike (2. von links) und Meike (rechts) sowie den Vereinsmitgliedern Elisabeth (links) und Siegfried Weber (mit Weinflasche) sowie Marlies Lierkamp.

Hier geht’s zur Homepage des Weinguts.

Verkostete Weine

2025Grauer Burgunder
2024Blaufränkisch Rosé
trocken
2020Nieder-Flörsheimer Riesling
trocken
2020Dalsheimer Riesling
Alte Reben
2022Chardonnay Sauloch
2022Chardonnay Bürgel
2023Viognier Réserve