Die Weingilde traf sich zu einer virtuellen Weinprobe

Die Jahreshauptversammlung der Weinheimer Weingilde am 15. März 2020 war das letzte Treffen der Weinfreunde an ihrem angestammten Platz im Kerwehaus, bevor die Corona-Pandemie das Vereinsleben stilllegte. Ein Versuch im Herbst, als die Infektionszahlen niedrig waren, sich wenigstens einmal zu treffen, und zwar bei einem Weingut, das größere Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnte, musste wegen der dann gerade wieder im Steigen begriffenen Infektionszahlen abgebrochen werden. Um den Jahreswechsel wuchs beim Vorstand der Wunsch, wenigstens einmal eine Begegnung im virtuellen Raum anzubieten, die natürlich dem Vereinsthema gerecht werden sollte.

Der Vorstand entschied sich für Weine der Lebenshilfe Bad Dürkheim. Das Weingut, in dem Menschen mit Behinderung ermöglicht wird, einen Beruf auszuüben und damit ein selbstständiges Leben zu führen, war im April 2002 schon mal Gast bei der Weingilde gewesen. Mit Katja Hoch, die uns ausgezeichnet betreute, wurden drei Weine ausgewählt. In Bad Dürkheim wurden dann dreißig Kartons mit je drei Flaschen Wein, einem Anschreiben des Gildevorstands und Informationen des Weinbaubetriebs gepackt und an die Gildemitglieder verschickt, bei denen sie wohlbehalten ankamen. Wir danken der Lebenshilfe für die ausgezeichnete Umsetzung.

Das Vorstandmitglied Jens Zepp wählte die Software für das virtuelle Treffen aus. Er entschied sich für ein deutsches Produkt, das er aus seiner beruflichen Tätigkeit kannte, und jedes Mitglied bekam einen Link zur Installation dieser Software sowie einen Link für die Teilnahme am Treffen zugeschickt.

Am 7. März saßen dann viele Gildemitglieder gespannt vor ihren Computern, um dieser Premiere beizuwohnen. Jens Zepp begrüßte alle herzlich und stellte nacheinander die drei trockenen 2019er-Weine vor.

Der Weißburgunder wies die klassische Burgundernase mit viel Frucht auf, moussierte im Mund leicht und wirkte angenehm cremig. Der Grauburgunder zeigte die für ihn typischen Aromen mit Birne und etwas Banane. Ihn empfiehlt der Weinbaubetrieb als Essensbegleiter zu kräftigen Fischgerichten, zu Lasagne und zu anderen mit Käse überbackenen Gerichten. Grauburgunderweine wurden in den letzten Jahren in Deutschland immer beliebter. In der Gastronomie werden sie oft als universeller Essenbegleiter empfohlen. Interessant ist, dass der Grauburgunder in Deutschland immer noch unter seinem alten Namen Ruländer klassifiziert ist. Der namensgebende Speyerer Kaufmann Ruland entdeckte die Rebe im Jahr 1711 in einem verwilderten Wingert und war von den Weinen so begeistert, dass er die Rebe vermehrte und in ganz Deutschland verbreitete. Die Weine waren aber nicht trocken wie die heutigen Grauburgunder, sondern wurden bis in die 1970er Jahre süß ausgebaut.

Der Riesling präsentierte sich sortentypisch mit viel Säure, aber sehr harmonisch. In seinem Namen wird darauf Bezug genommen, dass er eine Lagencuvée ist: Er stammte von fünf Weinbergslagen rund um Bad Dürkheim.

Alle Weine hatten einen sehr moderaten Alkoholgehalt, was in Zeiten des Klimawandels nicht mehr selbstverständlich ist, vom Verbraucher aber immer stärker nachgefragt wird. Der Kellermeister der Lebenshilfe hat hier hervorragende Arbeit geleistet, um frische und fruchtige Weine zu schaffen, die sehr angenehm zu trinken sind.

Natürlich interessierte den Vorstand die Resonanz auf sein Angebot, und so wurden die eingeschalteten Bildschirme und die davor versammelten Personen gezählt: Es waren 18 Bildschirme und über 30 Teilnehmer, was als großer Erfolg gewertet werden darf.

Bei der Veranstaltung musste auch eine traurige Nachricht überbracht werden: Das langjährige Mitglied Wolfgang Mühlthaler war kurz vor Weihnachten einem Krebsleiden erlegen. Da er und seine Frau seit ein paar Jahren als Kassenprüfer tätig gewesen waren, wurde vom Vorstand gleich in die Runde gefragt, ob jemand bereit wäre, diese Aufgabe zu übernehmen. Spontan meldete sich Monika Kollmar, die als Mitprüferin ihre Freundin Elke Jöst vorschlug, die damit zugleich um ihre Aufnahme in die Gilde bat.

Mit allen guten Wünschen und der Hoffnung, sich noch im ersten Halbjahr 2021 wieder persönlich treffen zu können – wenigstens bei einer Veranstaltung im Freien –, endete dieses erste Online-Treffen der Weingilde.

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