Im April 2026 waren 13 Jahre und 1 Monat vergangen, seit Regine Minges zum ersten Mal das südpfälzische Weingut Theo Minges bei der Weinheimer Weingilde vorgestellt hatte. Damals war sie gerade ein Jahr voll in den elterlichen Betrieb eingestiegen – nach dem Abitur 2006, einer Winzerlehre und dem Weinbaustudium in Geisenheim. Inzwischen ist sie zweifache Mutter und betreut gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Mann, der sich zusätzlich um das Weingut seiner Eltern kümmert, 24 Hektar Weinberge. Als ihr Vater in den 1980er Jahren das Weingut übernahm, gehörten nur 5 Hektar dazu. Doch in den Folgejahren gaben einige Winzer ihre Rebflächen in sehr guten Lagen, z.B. in der Gleisweiler Hölle, auf, und ihr Vater kaufte davon einiges, um mehr Ausgangsmaterial für hochwertige Weine zu bekommen. Das zahlte sich offensichtlich aus, denn 2008 trat der VDP an sie heran, ob sie Mitglieder in diesem Verband deutscher Prädikatsweingüter werden möchten – ein Angebot, das sie nicht ausschlugen. Heute nutzen Sie die Lage Gleisweiler Hölle nur für die Rebsorten Riesling und Scheurebe.

Recht untypisch für ein VDP-Weingut ist das breite Rebenspektrum des Betriebs: Sie bauen auf sechs Bodensorten zwanzig Rebsorten an. Entsprechend schwer fiel das Beschränken auf sieben Weine für diesen Abend.
Zuerst gab es eine Scheurebe trocken von 2025, die schon seit drei Generationen im Weingut angebaut wird. Hier sagte Regine Minges, sie liebe Weine, die gut reifen können, weshalb sie die Scheurebe dem Sauvignon Blanc vorziehe, und bezeichnete die Scheurebe als echte Primadonna unter den Rebsorten, die aber auf dem Kalkboden der Gleisweiler Hölle genau den Wein liefere, den sie schätze.
Danach folgte ein Pärchen: ein trockener und ein feinherber Riesling „Froschkönig“ aus dem Jahr 2021. Zur Namensgebung kam es so: 2007 überlegten sie, wie sie in diesem super Weinjahr zu einem Alleinstellungsmerkmal kommen könnten und entschieden sich, einen Edelstahltank vollständig mit Most aus Gleisweiler-Hölle-Rieslingtrauben zu füllen und diesen einfach sich selbst zu überlassen. Im März 2009 verkosteten sie dann zum ersten Mal das Ergebnis dieses Versuchs. Sie waren sehr davon angetan, wussten aber nicht recht, wie sie diesen Wein mit noch 18 Gramm Zucker pro Liter am besten vermarkten sollten. Da kam ihnen die Idee, dass er erst durch das Entfernen der Hefe „wachgeküsst“ worden sei, und schon hatten sie den Namen.
Bei weiteren Jahrgängen mit mehr als einem Edelstahltank stellten sie fest, dass der Standort des Tanks bei sonst genau gleichem Vorgehen das Resultat beeinflusste, und so kam es beim Jahrgang 2021 zu dem von uns verkosteten Pärchen: In einem Tank war der Wein nach mehr als drei Jahren Hefelager durchgegoren, der andere – näher an der „Zugluft“ – enthielt 15 Gramm Zucker pro Liter. Doch von einem süßen Wein konnte keine Rede sein, denn die Süße war durch die Extrakte und die Säure wunderbar eingebunden.
Ein zweites Pärchen stand auch noch auf dem Programm: zwei Weißburgunder von 2024, ein Basiswein (von Tonböden, etwa 7000 Hektoliter pro Hektar geerntet) und eine Große Lage (von Lössböden, alte Reben, etwa 4000-5000 Hektoliter pro Hektar geerntet, 20% in französischer Eiche ausgebaut). Hier erklärte Regine Minges ihr Ziel, dass die Qualität von der Basis bis zur Spitze stimmen muss, mit dem Vergleich Jeans+T-Shirt und Hochzeitskleid. Beides sollte gut gemacht sein, doch ein Hochzeitskleid bedeutet mehr Arbeit, weil individuelle Merkmale genau berücksichtigt werden müssen, um eine perfekte Passform zu erreichen, was bei der Alltagskleidung Jeans+T-Shirt nicht so notwendig ist. Dass der Basiswein auch beim „Zurücktrinken“ nach dem Verkosten des Große-Lage-Weins nicht flach und uninteressant schmeckte, bestätigte den Erfolg ihres Ansatzes.
Es folgte ein Chardonnay, eine Rebsorte, die sie seit rund dreißig Jahren anbauen, wobei sie eigentlich zur Sektherstellung – dem zweiten großen Standbein des Betriebs – gedacht war, doch seitdem wurde genau zweimal Sekt aus ihr gemacht (1992 und in diesem Jahr). Ihre Chardonnays dürfen nicht zu rund sein, sondern frisch, aber trotzdem rassig und körperreich. Der verkostete wurde zum Teil durch Spontanvergärung, zum Teil mithilfe von Reinzuchthefen erzeugt.
Den Abschluss bildete ein Goldmuskateller, dessen 35 Gramm Zucker pro Liter die tropische Aromatik schön betonten, den Wein aber in keinster Weise klebrig süß machten. Hier verwies Regine Minges auf die zwei Arten, wie restsüße Weine erzeugt werden können: durch Zusatz von unvergorenem Most oder durch Unterbrechen der Gärung durch Kühlen und Filtrieren. Im ersten Fall kommt viel Glucose in den Wein, während im zweiten Fall die ursprünglich vorhandene Glucose von den Hefen weitgehend aufgebraucht wurde, und die Fructose zurückblieb, die nicht zu einem klebrig-süßen Eindruck führt.
Eingestreut in die Verkostung war noch viel Interessantes und Amüsantes, z.B. dass sie 70% Privatkunden – zum Teil über Generationen – haben, was ihnen in Grenzen ein Abkoppeln von Trends leichter macht, dass ihr Heimatort Flemlingen nur knapp 400 Einwohner hat, die locker gleichzeitig in den gastronomischen Einrichtungen Platz hätten, und dass es ihr gemeinsamen mit anderen jungen Frauen gelungen ist, den Dorfzusammenhalt, der durch Zuzüge gelitten hatte, wiederherzustellen, wobei nur drei der aktiven Frauen aus alteingesessenen Familien stammten, dreizehn dagegen aus „Neubürger“-Familien.
Mit großem Applaus und einem herzlichen Dank für den gelungenen Abend wurde die Referentin verabschiedet.