Wiederwahl und Weingenuss – bei der Mitgliederversammlung der Weinheimer Weingilde

Die Jahreszahl 2025 stand im Mittelpunkt des Septembertreffens der Weinheimer Weingilde, denn es fand die Mitgliederversammlung des Vereins statt.

Zu Beginn gab es einen kurzen Rückblick auf das Jahr 2025. Erfreulich war zu hören, dass die Mitgliederzahl stabil bei 46 geblieben ist. Bei den monatlichen Treffen waren aber auch zahlreiche Nichtmitglieder als Gäste anwesend, so dass die Gilde einen guten monatlichen Durchschnitt von 37 Teilnehmenden verzeichnen konnte. Durch diesen guten Besuch hat sich die finanzielle Situation des Vereins sehr erfreulich entwickelt, was dem Verein auch in Zukunft viel Spielraum bei der Organisation von ansprechenden Weinproben gibt.

Entsprechend wurden der Kassenwart und der ganze Gilderat problemlos entlastet. Turnusmäßig stand die Neuwahl des Gilderats an, bei der sich dessen bisherige Mitglieder zur Wiederwahl stellten – und die Stimmen aller Stimmberechtigten erhielten.

Neben der Pflicht kam aber auch die Kür – der Wein – nicht zu kurz. Wie üblich ist das Thema bei der Mitgliederversammlung eines, das nicht über einen Gastreferenten abgedeckt werden kann. Diesmal wurde das Anbaugebiet Beaujolais gewählt, das vielen Gildemitgliedern von einem von Praxedis Wagener 2006 organisierten Ausflug in guter Erinnerung ist.

Das Beaujolais liegt grob gesprochen zwischen Lyon und dem Burgund. Man unterscheidet zwischen dem einfachen Coteaux du Lyonnais, der AOC Beaujolais, der höherwertigen AOC Beaujolais-Villages und den Crus oder Appellationen im Norden, die an das Burgund angrenzen. Die meisten Weine der Probe kamen aus der Cru-Region.

Der Einfachheit halber wurde ein Probierpaket mit sechs Weinen aus dem Beaujolais von drei Weingütern gewählt. Und natürlich waren alle gespannt, ob die Probe das hielt, was der Versender versprach. Vorgestellt hat die Weine Gildemeister Jens Zepp.

Der erste Wein überraschte in doppelter Hinsicht: Er war weiß, und er war trüb. Eigentlich ist das Beaujolais ein Rotweingebiet, wobei dort nur eine Rotweinsorte zugelassen ist: die Sorte Gamay. Der Weißwein von 2022 war eine Cuvée aus Chardonnay, Chardonnay Rosé und Aligoté. Er trug die Kennzeichnung vin de France, da er aus im Beaujolais nicht zugelassenen Rebsorten bestand. Das Weingut arbeitet sehr naturnah und hat den Wein nach 18 Monaten Reifung im gebrauchten Holz unfiltriert abgefüllt, daher seine Trübung. Der deutliche Hefegeschmack erinnerte an manche Orange-Weine.

Der zweite Wein, wie der erste vom Weingut Thillardon, war ein leichter roter Trinkwein aus der typischen Sorte Gamay. Er wird als „vin de soif“ (=Wein für den Durst) bezeichnet, der sich unter anderem in der Gastronomie von Lyon sehr gut behauptet.

Der dritte Wein war wieder ein vin de soif, diesmal vom Weingut Lapierre, einem der gefragtesten Weingüter des Beaujolais. Trinkspaß und Anspruch versuchen die Geschwister Mathieu und Camille Lapierre unter einen Hut zu bekommen. Der Wein stammte von den jungen Anlagen des Weinguts.

Beim vierten Wein verhindert nur die falsche Straßenseite, dass er die begehrte AOC Morgon auf dem Etikett tragen darf. Er stammt vom Weingut Desvinges, das Louis-Benoît und seine Schwester Claude-Emmanuelle in der 8. Generation führen.

Die letzten beiden Weine kamen dann aus der AOC Morgon, von den Weingütern Lapierre bzw. Desvignes, und zeigten mit ihrer Herkunft von 60 bzw. 70 Jahre alten Rebstöcken, welche Qualität im Beaujolais möglich ist. Sie repräsentieren das Topniveau der Beaujolais-Weine und brauchen sich hinter manchem aus dem nahen Burgund nicht zu verstecken.