Im Juli gab es für die Besucher des Gildeabends eine eher seltene Weinsortenauswahl, denn diesmal standen nicht Rieslingweine im Fokus, sondern es gab drei Grauburgunder, einen Spätburgunder und eine Weißburgunder-Chardonnay-Cuvée zu verkosten, dazu einen Riesling und eine Scheurebe. Da Andreas Geil einen überraschenden Arzttermin wahrnehmen musste, übernahmen seine Eltern Brunhild und Helmut Geil die Vorstellung ihres rheinhessischen Weinguts. Dieses Weinanbaugebiet ist sehr hügelig – Monzenheim liegt etwa 230 m über dem Meeresspiegel (bei Mannheim sind es knapp 100 m) – und verfügt im Unterschied zu den benachbarten Gebieten über keine nennenswerten Waldflächen.

Der Riesling eröffnete den Abend als einfacher, leichter, spritziger Wein, der für warme Sommerabende ideal geeignet ist. Der erste Grauburgunder, wie der Riesling ein 2025er Ortswein, zeigte schon, wie sich die beiden Rebsorten unterscheiden: Der Grauburgunder war farbintensiver – je nach Maischestandzeit bis kupferfarben –, wirkte breiter und hatte dunklere Aromatöne. Helmut Geil erwähnte hier auch, dass der Grauburgunder sehr leicht spontane Mutationen eingeht, so dass beispielsweise an einem Trieb Trauben mit unterschiedlich farbigen Beeren hängen können.
Der Familienbetrieb, dessen Wurzeln in Monzenheim bis 1736 zurückreichen, bewirtschaftet 11 Hektar, was dank des Einsatzes von Maschinenlese in größerem Umfang mit nur wenigen Saisonarbeitern bewältigt werden kann. Die Lese muss wegen der klimatischen Veränderungen früher im Jahr, in weniger Tagen und oft bei Nacht erfolgen – letzteres, weil sonst die Gefahr zu groß ist, dass die Gärung schon einsetzt, bevor sich der Trub, der die Gerbstoffe bindet, absetzen kann.
Die Scheurebe, aus der der nächste Wein erzeugt wurde, ist quasi in Rheinhessen zu Hause, denn in Alzey erblickte sie 1916 als deutsches Pendant zum Sauvignon Blanc das Licht der Welt. Hier gab es einen kurzen Exkurs zur Rebzucht durch Kreuzung, die dadurch erschwert ist, dass die Rebe eine zwittrige Blüte hat. Eine solche Blüte befruchtet sich selbst, weil in dem Moment, in dem sie sich öffnet, die Pollen auf ihre Narbe fallen und damit die Befruchtung passiert ist.
Für die nun verkostete Cuvée wird der Chardonnay-Teil im Holz ausgebaut, was eine angenehme, aber merkliche Holznote in der Nase bewirkt. Diesen Wein empfahl Helmut Geil als Essensbegleiter und erklärte, dass sie bei ihm von ihrer generellen Regel abweichen, trockene Weine mit etwa 6 Gramm Restzucker im Liter auszubauen: Hier waren es nur 1,9 Gramm pro Liter.Beim nächsten Wein, einem Grauburgunder Ortswein, erklärte Helmut Geil, dass ein Teil der Maische einige Zeit unter CO2 und mit Ascorbinsäure als Antioxidans in 500-Liter-Kühlcontainern bleibt, damit möglichst viele Schalenaromen extrahiert werden, und dass nach der Gärung die Hefe aufgerührt wird, um Farbe und Aromen zurückzugewinnen.
Den genussreichen Abschluss bildeten zwei Lagenweine, der letzte Grauburgunder und ein Spätburgunder, der schon vier Jahre reifen durfte. Die Grauburgundertrauben stammen von einem 1985 angelegten Weinberg auf Löss, und der Wein lag mehr als ein Jahr im Holz. Er überzeugte doch seine Komplexität, dürfte aber in ein paar Jahren noch harmonischer wirken. Die Spätburgundertrauben kommen von einem mehr als dreißig Jahre alten Weinberg auf Lettenboden und ergaben einen charaktervollen Wein mit für deutsche Spätburgunder typischen Aromen.
Die Zielsetzung der Geils, Weine zu machen, zu denen sie stehen können, die aber auch den Kunden gefallen sollen, beschrieb Helmut Geil mit den Worten: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“ – ein Motto, das man sich bei manchen Produzenten in den unterschiedlichsten Bereichen wünschen würde. Mit Applaus und guten Wünschen für den Sohn und die weitere Führung des Weinguts wurde das Ehepaar Geil verabschiedet.