Das fragte sich bestimmt mancher Leser der Einladung fürs Oktobertreffen der Weinheimer Weingilde. Am Abend gab es dann die Erklärung: Die Familie Dettweiler betreibt im rheinhessischen Wintersheim seit mehr als zweihundert Jahren einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ihre Vorfahren waren aus Glaubensgründen aus dem Schweizer Weiler Dätwyl ins Elsass geflüchtet und von dort nach Wintersheim weitergezogen und hatten ihren Familiennamen in Dettweiler eingedeutscht.
Bis 2019 teilten sich Heiko Dettweiler und sein Bruder die Arbeit im Weingut, doch dann wurden daraus auf Wunsch des Bruders zwei getrennte Weingüter, wobei der Name Dätwyl bei Heiko Dettweiler blieb. Zur Freude von Heike und Heiko Dettweiler hatte ihr inzwischen 21-jähriger Sohn schon früh seine Begeisterung für den Weinbau entdeckt, so dass zum einen die Familiennachfolge gesichert ist und zum anderen viele neue Ideen in die Arbeit einfließen können. So soll künftig viel mehr auf Handlese gesetzt werden, weil so gezielter an der Qualität der Weine gearbeitet werden kann, und den ersten Biojahrgang gibt es 2028.
Dass sich der Einsatz des Sohnes schon deutlich bemerkbar macht, zeigt eine Reihe von Prämierungen, die der Junior bei der Falstaff U30 Trophy 2026 gewonnen hat – für zwei liebliche Riesling Kabinett von 2025 sowie einen trockenen Riesling Alte Reben und einen trockenen Silvaner Alte Reben von 2024. Den letzten Wein durften die Weinfreunde, die im Oktober den Weg ins Kerwehaus gefunden hatten, als Ersten genießen. Die Rebstöcke für ihn wurden 1980 gesetzt, was gut zur aktuellen Philosophie des Hauses passt, Weinberge lange Zeit nicht neu zu bestocken, weil an alten Reben weniger Trauben wachsen und so automatisch bessere Bedingungen für hochwertiges Lesegut herrschen.
Die folgenden zwei Weißweine waren ein trockener Weißburgunder und ein trockener Chardonnay, beide von 2024 und beide in 500-Liter-Tonneau-Fässern ausgebaut. Der Weißburgunder enthielt etwas CO2 und hatte während der Lagerung eine leichte Trübung entwickelt. Der Grund dafür war, dass der nicht vollständig durchgegorene Wein mit zu wenig Schwefel behandelt worden war und deshalb ein Nachgären in der Flasche startete. Aus dieser Erfahrung hat der Junior beschlossen, künftig nur noch komplett durchgegorene Weine ungeschwefelt abzufüllen – aus Erfahrung wird man klug.
Damit endete der Weißweinteil des Abends, und es kamen zunächst zwei Merlot-Weine ins Glas: ein trockner Rosé von 2025, der bei den Gästen sehr gut ankam, und ein trockener Rotwein von 2020. Eigentlich wird bei Dettweilers ein Teil der Merlot-Trauben zu Blanc de Noir verarbeitet, aber 2025 hatten sie keine Zeit für die dafür nötige Handlese. Bei der Maschinenlese landen aber fast ausschließlich Einzelbeeren in den Sammelbehältern, die dann an den Stielansätzen schnell „bluten“ und so den Saft rötlicher färben, als für einen Blanc de Noir akzeptabel ist. Der rote Merlot stammt von Trauben, die etwa drei Wochen länger im Weinberg bleiben als die Trauben, aus denen der Blanc de Noir gemacht wird, und reift rund zweieinhalb Jahre in neuen und gebrauchten Barrique-Fässern. Der 2020er konnte voll überzeugen.
Den Schluss bildeten ein trockener Sankt Laurent von 2022 und ein trockener Cabernet Sauvignon von 2020. Diese Rebsorten sind seit Mitte der 1990er Jahre Teil des Dettweiler Rebsortenspektrums. Der Sankt Laurent präsentierte sich angenehm, doch der Cabernet Sauvignon übertrumpfte ihn durch seine vielschichtigere Aromatik. Mit herzlichem Applaus wurde Heiko Dettweiler für die informative und unterhaltsame Präsentation seiner Freude machenden Weine gedankt.
Hier geht’s zur Homepage des Weinguts.
Verkostete Weine
| 2024 | Silvaner Alte Reben trocken – LW Wintersheimer Fraugarten |
| 2024 | Weißburgunder trocken – OW Uelversheim |
| 2024 | Chardonnay Alte Reben trocken – LW Uelversheimer Geierscheiss |
| 2025 | Merlot Rosé trocken – OW Wintersheim |
| 2020 | Merlot trocken – LW Wintersheimer Fraugarten |
| 2022 | St. Laurent trocken – OW Wintersheim |
| 2020 | Cabernet Sauvignon trocken – LW Wintersheimer Fraugarten |